Galerie Christian Lethert
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Daniel Lergon

Oktave | 23.09.2006 – 28.10.2006

Daniel Lergon, Jahrgang 1978, hat bei Lothar Baumgarten an der UdK in Berlin studiert und im Februar 2006 dort seinen Meisterschülerabschluss gemacht. Seine erste Galerie-Ausstellung trägt den Titel „Oktave“. Unter Oktave versteht man in der Musik den achten Ton der diatonischen Tonleiter vom Grundton aus gerechnet, der die doppelte Frequenz des Grundtons hat. So wird auch der entsprechende Tonbereich bezeichnet. Das Farbspektrum des sichtbaren Lichtes reicht von Rot bis Violett und entspricht einer Frequenz der Lichtstrahlung von ca. 4x1014 bis 8x1014 Hz, also einer Oktave.
Wenn man in die Galerie eintritt, bewegt man sich sogleich durch das Spannungsfeld eines Farbraumes, das rechts und links durch zwei großformatige Bilder (je 300 x 300 cm) induziert wird. Beide sind mit jeweils einer Farbe auf halbdurchsichtigem Organzastoff gemalt, das eine mit einem dunklen, stumpfen Rot, das andere mit Violett, stellvertretend für die Grenzen des sichtbaren Farbspektrums. Der Gang durch dieses Portal in die Ausstellung führt hin auf ein großformatiges Bild (300 x 300 cm) im hinteren Raum, gemalt mit einer purpurnen Farbe, der keine Wellenlänge im Spektrum des weißen Sonnenlichts entspricht, die aber aus der Überlagerung seiner roten und violetten Anteile entsteht und hier als Ergebnis der Vereinigung dieser Spektralfarben aus den Eingangsbildern gezeigt wird.
Die Ausstellung zeigt Bilder mit Pigmentfarben und Lack auf den verschiedensten, teilweise durchsichtigen Textilstoffen ebenso wie Arbeiten auf Papier. Lattenkreuze, Stoffränder oder -nähte bleiben zum Teil sichtbar. Optische Effekte wie Transparenz, Absorption, Reflexion, Moiré-Effekt finden Eingang in die Bildwelten. Außer der intensiven Erforschung der Farbe stellt der Künstler die Frage: Welchen Einfluss auf deren Wahrnehmung haben die Oberfläche und die genannten optischen Eigenschaften? Darüber hinaus: Bedeutet Transparenz die Auflösung der Bildfläche, des stabilen Bildortes, oder gelingt dadurch der Blick in die andere Welt dahinter?
Die Malerei Daniel Lergons strebt nach einem Kosmos gegenstandsloser, freier, aber bedingter und genauer Formen. Die Bilder haben keine Titel, die zu einer narrativen Herangehensweise ermutigen würden. Sie berühren Schwebezustände der Fantasie aus figürlichen aber eben gegenstandslosen Gebilden, die aus einer anderen Welt mit einer ungewohnten Bewegungsdynamik zu kommen scheinen, und ihre Sichtbarkeit nur der Erinnerung an den augenblicklichen Zustand verdanken, in dem sie mehr oder weniger zufällig durch kurze Zeitfenster festgehalten wurden. Dahinter scheint eine Welt im Dunkel zu existieren, die mit einem Lichtzeiger abzutasten eines der großen Abenteuer bedeuten kann.
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