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FERGUS FEEHILY

NOTHING & EVERYTHING | 13.06.2014 – 26.07.2014

Nichts & Alles.
Manchmal, zu Hause, wenn das Bad gefüllt ist und das Licht genau richtig steht, erscheint auf der Oberfläche des Wassers eine Reflexion des kleinen quadratischen Badezimmerfensters, das sich zum Innenhof hin öffnet. Der große, den gesamten Hof ausfüllende Baum kräuselt sich auf dem Badewasser und scheint so für mich viel interessanter zu sein als der wirkliche Baum. Verblüffend, wie dieses mich so faszinierende Bild, kaum da ist; fast nichts ist.
In B.S. Johnson's zugegebenermaßen zornigem, aber an einigen Stellen auch schönem und berührendem Film „You're Human Like the Rest of Them" (1967), spielt William Hoyland den Protagonisten Haakon, einen Lehrer, der gegen Gleichgültigkeit und Bedingungslosigkeit kämpft. Im Lehrerzimmer wird ihm im Gespräch mit seinen Kollegen vorgeworfen er sei kindisch, woraufhin er antwortet: „Nur weil man eine Erkenntnis zum ersten Mal als Kind hatte, bedeutet das nicht, dass diese kindliche Erkenntnis automatisch unnütz ist."
Ich habe in letzter Zeit viel über Kapitulation nachgedacht, dem sich Ausliefern gegenüber der Einfachheit und dem Akt des Schaffens, gegenüber der ewig wiederkehrenden Neuerfindung des Ateliers, gegenüber dem Schaffen und der Erkenntnis, dem Tun und dem Herausfinden durch das Tun, oder einfach nur dem späteren Erkennen, was ich getan habe. In der Sommerausgabe 2013 der Berliner Publikation "mono.kultur" sagt Brian Eno in einem ausführlichen Interview mit seiner Tochter Irial zu diesem Thema: "Ich begreife kapitulieren als ein aktives, nicht passives Verb. Kapitulieren bedeutet für mich nicht einfach aufgeben und nichts tun. Kapitulieren bedeutet, zu wissen, dass man etwas nicht mehr kontrollieren kann und wie man sich treiben lassen muss."
Über das Thema des „Nichts" schreibt Ian Stewart mit großer Klarheit und Humor in seinem Essay "Zero, Zip, Zilch", der kürzlich in dem faszinierenden neuen New Scientist Buch mit dem Titel „Nothing" (herausgegeben von Jeremy Webb) erschienen ist: "Nichts ist interessanter als das Nichts. Nichts ist verwirrender als das Nichts, und nichts ist bedeutender als das Nichts."
"Reconstructed from Fragments" ist einerseits der Titel einer neuen Arbeit der Ausstellung und im Rückblick, (und schließlich sind die Dinge im Nachhinein immer einfacher zu erkennen), schon immer eine Methodik in meinem Werk.
Als ich den Titel "Nothing & Everything" niederschrieb, schlug mir mein Korrekturprogramm wie schon so oft vor: "Fragment, Überarbeitung in Erwägung ziehen" In der Tat ist dieser kurze Text nichts als eine Reihe von Fragmenten, Gedanken und Notizen, die man in beliebiger Reihenfolge anordnen könnte. Meine Arbeit ist ebenfalls aus mehreren Fragmenten und Ideen wie diesen zusammengefügt und beschaeftigt sich oftmals mit dem Übersehenen, dem fast Nichts.
Fergus Feehily, Berlin, Mai 2014Fergus Feehily, geboren 1968 in Dublin, hatte bereits zahlreiche internationale Ausstellungen. Wir zeigen mit „Nothing & Everything" unsere dritte Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers. Weitere Einzelausstellungen waren zu sehen bei Misako & Rosen, Tokyo (2013) und Mother's Tankstation, Dublin (2013), Stuart Shave/Modern Art, London (2011), The Dallas Museum of Art (2011), The Douglas Hyde Gallery, Dublin (2009 & 2012) und im Neuen Aachener Kunstverein (2008). Seine Arbeiten waren Teil von zahlreichen Gruppenausstellungen, zuletzt von Painter Painter, Walker Art Center, Minneapolis (2013), Café Horizon (You slowly look around now – hold it), Arthur Boskamp-Stiftung, M.1, Hohenlockstedt (2013), Why not live for Art? II - 9 collectors reveal their treasures, Tokyo Opera City Art Gallery (2013), Changing States: Contemporary Irish Art & the Francis Bacon Studio, BOZAR, Center for Fine Arts, Brussels (2013) und Painting Expanded, Tanya Bonakdar Gallery, New York (2011). Außerdem werden seine Arbeiten in der Ausstellung Dukkha der Douglas Hyde Gallery in Dublin und in A Poem for Raoul and Agnes, kuratiert von Sherman Sam, in Ancient & Modern, London zu sehen sein.
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