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KAI RICHTER

Trocken | 31.10.2009 – 19.12.2009

Wir freuen uns, die erste Einzelausstellung von Kai Richter in unseren Galerieräumen anzukündigen. Kai Richter baut dreidimensionale „Skulpturen“ in Kontakt und Auseinandersetzung mit den jeweiligen Raumgegebenheiten; er reagiert auf sie, verändert sie, akzentuiert sie – und macht so die Räume als Räume neu und anders erfahrbar.
Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der kunsthistorischen Begrifflichkeit, dass mit „Konstruktionen“ meist geistige Planungsleistungen gemeint sind und nicht die Prozesse des Zusammenfügens selbst, die materielle, körperliche und sinnliche Aktionen sind – so auch im bildhauerischen Werk von Kai Richter. Richter konstruiert im Wortsinne (lat. construere = bauen, errichten) seine Arbeiten; dabei geht es ihm nicht um Planerfüllung, sondern um ein freies Arbeiten mit den spezifischen Eigenschaften seiner Materialien und den Eigenheiten der Ausstellungsräume. Die Architektur ist das Paradigma des Konstruierens; dies gilt in gewissem Maße auch für Kai Richter. Was Konstruieren wirklich ist, kann man besser auf den Baustellen studieren als an den fertigen Bauwerken. Was der Künstler als die „zeitlose Schönheit“ der Baustellenkonstruktionen bewundert und wovon er einiges für seine künstlerische Tätigkeit gelernt hat, ist der pragmatische Gebrauch der Werkzeuge und Materialien, vor allem aber die Ehrlichkeit und Klarheit im Umgang mit dem ganz eigenen plastischen Vokabular, das sich dort zeigt.
Der ästhetische Reiz von Richters Arbeiten ist kein Selbstzweck, sondern ergibt sich gleichsam nebenbei; er entsteht aus dem freien und für Improvisationen offenen Umgang mit seinen oft spröden und sperrigen Materialien. Eine Arbeit wie „Doka“, die wie eine freie, zeitgenössische Etüde zum uralten Thema „Bündelpfeiler“ wirkt, verweist schon im Titel auf ihr Basismaterial: die gelb gefärbten Schalungsträger der österreichischen Firma Doka. Als plastische Form spannt sich „Doka“ zwischen Boden und Decke, stützt den Raum metaphorisch statt tektonisch und thematisiert so auf lakonische Art den Bezug zwischen Plastik und Architektur, Form und Raum.
Was an Richters Arbeiten immer wieder verblüfft, ist die Tatsache, wie viel Poesie, Witz und Leichtigkeit er seinen prosaischen Mitteln, den Bauhölzern, Gerüststangen, Rigipsplatten mitgibt. Wie ein Jazzmusiker, der die Harmoniefolgen einer Melodie zwar streng einhält, sie jedoch in improvisatorischer Leichtigkeit umsetzt, geht Richter mit den plastischen Elementarthemen Volumen und Masse, Schwerkraft und Statik sowie mit der Dialektik aus Stütze und Last um. Bei Kai Richter gibt es keine fein ziselierten Formkonstruktionen mit Ewigkeitswert, sondern großzügige offene Gesten, ein klares Erfassen der Raumsituationen und die entsprechende plastische Reaktion darauf. Diese Auffassung von Bildhauerei gewinnt ihre ganz eigene Kraft dadurch, dass in ihr plastische Wucht und Sensibilität, Raumgefühl und Materialsinnlichkeit zusammenkommen.
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