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Simone Schardt

Double Exposures | 31.05.2008 – 06.07.2008

Die Zeichnungen der in Zürich lebenden Künstlerin Simone Schardt (*1971) bergen verschiedene Deutungsabsichten in sich. Angefertigt auf einem Trägermaterial, das seine Erzählung und Be-Deutung mit sich führt, verschränken sich Sprache und Bild in Anhäufungen wissenschaftlicher und kultureller Artefakte: In ihnen werden Notationen von Versuchsanordnungen mit popkulturellen Fragmenten überlagert, schichten sich Naturauffassungen mit Manifestationen unbeschreiblicher Langeweile, akkumulieren sich Schriftzeichen zu Bildformationen. In ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie Christian Lethert mit dem Titel „Double Exposures“ präsentiert Simone Schardt Arbeiten, in denen sich das Verhältnis von Sehendem und Erblicktem als sich einander bedingend abbildet. Sowohl die großformatigen Filzstiftzeichnungen, als auch die Serie von Schreibmaschinenzeichnungen verweisen auf Mehrdeutigkeiten, die in den Gesten des Exponierens enthalten sind, die auf Dinge zeigen und „Sieh hin!“ sagen und zugleich mit der Autorität derjenigen, die bescheid wissen, behaupten „So ist es.“
Aus ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit als Molekularbiologin resultierten zahlreiche Protokolle auf Endlospapier, deren Kurvenverlauf und akribische Notiz ihrer Randbedingungen Aufschluss geben sollten über den Erfolg oder Misserfolg einer enzymatischen Reaktion. Diese Aufzeichnungen wurden durch die Künstlerin einer zweiten Bearbeitung unterzogen. Kontrastiert durch Songfragmente, die sehr deutlich ein Begehren formulieren, beginnt nun die Trennung zwischen Subjekt und dem Gegenstand seiner Untersuchungen zu kollabieren: Nicht nur das forschende Subjekt blickt durch seine Instrumente des Erkenntnisgewinns – Mikroskope, Monitore, Reagenzgläser – auf das zu untersuchende Objekt, sondern das Objekt blickt zurück. Nicht nur die Betrachter/innen sehen ein Bild, sondern sie sind immer schon durch den dem Objekt inhärenten Blick erfasst. In dieser Doppelbelichtung wird die erkenntnistheoretische Anordnung, für die die diagrammatische Oberfläche der Zeichnungen steht, empfindlich gestört.
Als eine zugespitzte Aufführung von Produktionsweisen der Conceptual Art der 1960/70er Jahre, einer Zeit, in der die Erkenntnisse der Psychoanalyse eine informierte künstlerische Produktion beeinflussten, persiflieren die Schreibmaschinenzeichnungen eine Leerstelle dessen, was als Ergebnis konzeptueller Arbeitsweisen von Künstler/innen entstand: das künstlerisch-kuratorische Beziehungsgefüge im Rahmen dessen, was als „Institutional Critique“ in die jüngere Kunstgeschichtsschreibung eingeht. Die zeichenhafte Darstellung durch Buchstaben, Trennungsstriche, Kommata der Zeichnung „Gianni in NY“ (2007) löst sich in der Bedeutung einer konkreten Situation auf: So steht der aufstrebende Jungkurator vor einer imposanten Skyline – der Titel verweist auf New York – lediglich die Leuchtwerbung verankert die Situation in der Anrufung als potentielle Produzent/innen-Konsument/innen in einem alltäglichen Maßstab.
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